BACK_140_A-BCDEF-G_981x420.jpg

Innovative Idee - praktisch verwertbar

Christoph Heinle von RF Plast heimste für Doktorarbeit zwei Preise ein
(Zeitungsartikel mit freundlicher Genehmigung Altmühl-Bote - 28.12.2012)

GUNZENHAUSEN  - Fachkräfte sind derzeit auf dem Arbeitsmarkt heiß begehrt und vor allem auf dem flachen Land werden sie händeringend gesucht. Dass es trotz demografischem Wandel möglich ist, gut ausgebildete Leute in die Firma zu holen, das zeigt das Beispiel RF Plast.

AMB_HEINLE_271212_800x600.jpg
Dr. Christoph Heinle, Mitarbeiter der Gunzenhäuser Firma RF Plast, wurde nun für seine Dissertation mit zwei Preisen ausgezeichnet. Mit ihm freut sich Nadine Amesöder von der Geschäftsleitung. (Foto: Marianne Natalis)

Das Gunzenhäuser Unternehmen verpflichtete direkt von der Universität weg den frischgebackenen Doktor Christoph Heinle. Für seine Dissertation heimste der 36-Jährige nun gleich zwei bedeutende Preise ein.

Nach dem Abschluss seines Maschinenbaustudiums war Heinle sechs Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kunststofftechnik der Universität Erlangen tätig. In dieser Zeit entstand auch seine Dissertation zum Thema „Simulationsgestützte Entwicklung von Bauteilen aus wärmeleitenden Kunststoffen". Für seine Forschungsarbeit erhielt er nun den Wilfried-Ensinger-Preis. Diese Auszeichnung wird alljährlich vom Wissenschaftlichen Arbeitskreis der Universitäts-Professoren der Kunststofftechnik in Deutschland für eine besonders gelungene Dissertation vergeben.

Legen die Uni-Professoren natürlich mehr Gewicht auf den wissenschaftlichen Aspekt einer Arbeit, so wird der „Rehau Preis Technik" mehr unter dem Gesichtspunkt des Innovationsgehalts einer Arbeit für die Industrie, also ihrer praktischen Verwertbarkeit, verliehen. Auch diese Auszeichnung, die von der Firma Rehau seit elf Jahren für Masterarbeiten oder Dissertationen vergeben wird, konnte Heinle für sich verbuchen.

Dass ein hoch qualifizierter Mann wie Heinle den Weg nach Gunzenhausen fand, ist natürlich kein Zufall. Vielmehr ist es dem „engen Netzwerk" zu verdanken, das zwischen dem Lehrstuhl Kunststofftechnik in Erlangen und der Familie Amesöder von RF Plast besteht, erzählt Heinle im Gespräch mit dem Altmühl-Boten. Schließlich war Simon Amesöder, der den Familienbetrieb gemeinsam mit Firmengründer Reinhard Feichtinger und dessen Tochter Nadine Amesöder leitet, der direkte Vorgänger von Heinle. Amesöder betrieb für seine Dissertation Grundlagenforschung, auf die Heinle später aufbaute.

Außerdem hat das Unternehmen seitdem stets Kontakt zu der Erlanger Hochschule gehalten, es gab gemeinsame Projekte und immer wieder absolvieren Studenten Praktika in Gunzenhausen. Auf Christoph Heinle hatten Nadine und Simon Amesöder dabei schon lange ein Auge geworfen. „Heinle ist für uns der richtige Mann", bekräftigt Nadine Amesöder, da er nicht nur wissenschaftlich arbeitet, sondern auch ein Mann der Praxis ist. Er kann an der Spritzgussmaschine ebenso arbeiten wie in der firmeneigenen Entwicklungsabteilung, die weiter ausgebaut werden soll.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Heinle während seines gesamten Studiums in unterschiedlichsten Ingenieurbüros tätig war. Für ihn stand aber auch fest, dass er nach seiner wissenschaftlichen Tätigkeit in die Praxis wollte, und zwar nicht in einen weltweit agierenden Konzern, sondern ganz bewusst in einen mittelständischen Betrieb. Dort ist sein Arbeitsfeld wesentlich breiter ausgelegt, er wollte keine „singuläre" Tätigkeit.

Die Mischung zwischen Theorie und Praxis, die er nun in der Gunzenhäuser Firma gefunden hat, taugt ihm ganz offensichtlich. Dort kann er nicht nur seine wissenschaftliche Arbeit zu wärmeleitenden Kunststoffen in konkrete Produkte umsetzen, seine Fähigkeiten sind auch in der Entwicklung von Keramik- oder Duroplastspritzguss gefragt.

Herkömmlicher Kunststoff transportiert keine Wärme, das machte erst die Entwicklung spezieller wärmeleitenden Kunststoffe möglich. Bisher kam dieser aber nur in „Insellösungen" zum Tragen, eine breite Anwendung gab es noch nicht.

Und an dieser wird bei RF Plast gearbeitet. Ein Anwendungsgebiet sind zum Beispiel LED-Lampen. Die in den Lampen entstehende Wärme muss aus dem Gehäuse abgeleitet werden, das geschah bisher etwa mithilfe von Aluminium. Hier sind laut Heinle nun Lösungen aus einem Guss möglich, bisher waren mehrere Arbeitsschritte und Materialien notwendig, bis eine solche Lampe fertiggestellt war.

Das „thermische Management" beinhaltet nicht nur die Wärmeableitung, mit seiner Hilfe können auch bestimmte Bereiche auf die notwendige Betriebstemperatur gebracht werden. Ein solches Management benötigt man etwa in Automobilen, erläutert Heinle, und nennt das Beispiel Klimaanlagen.

Die Vorteile bei der Verwendung von wärmeleitendem Kunststoff liegen für Heinle auf der Hand: Dank der „two in one"-Lösung werden bei der Produktion nicht nur Arbeitsschritte eingespart, auch der Materialeinsatz ist effizienter, Ressourcen werden geschont und man benötigt weniger Energie.

Kunststoffkomponenten für die Automobile, die Industrie und den Umweltsektor, darauf hat sich die Firma RF Plast mit ihren rund 100 Angestellten spezialisiert. Recyceltes Material kommt dabei aber kaum zum Einsatz, da es beispielsweise in der Automobilherstellung gar nicht erlaubt ist. Wo es möglich ist, verwendet RF Plast aber Altplastik, so zum Beispiel in der Herstellung von Windschutzbechern für Prozessionskerzen. Umgekehrt wird darauf geachtet, dass beispielsweise sämtliche Fertigungsreste in der Wiederverwertung landen.

Ganz wichtig ist für einen mittelständischen Betrieb wie RF Plast, dass er seine Produktion auf mehrere Beine stellt. Man müsse „generalistisch arbeiten", erläutert Heinle, „Inselwissen" sei wenig hilfreich. Netzwerke, wie es sie in der Region gerade im Kunststoffbereich gibt, sind besonders wichtig, da hier Synergieeffekte genutzt werden können. Und sie verhelfen manchmal eben auch dazu, wichtige Fachkräfte anzuheuern und an sich zu binden.

Artikel aus dem Altmühlboten zum Download:

 
copyright 2013: rf-plast | Seite merken | E-Mail | Impressum | Website durchsuchen | Home | Einkaufs- und Lieferbedingungen