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1. Fachtagung des Kunststoffforums Altmühlfranken - Nachlese

(Ausschnitt aus Zeitungsartikel mit freundlicher Genehmigung Altmühl-Bote - 19.11.2014)

GUNZENHAUSEN – Elektronische Bauteile direkt mit Kunststoff zu umspritzen, daran arbeitet die Entwicklungs- und Forschungsabteilung der Gunzenhäuser Firma RF Plast seit Jahren erfolgreich. Gestern nun stand diese Technologie im Mittelpunkt des ersten Kunststoffforums Altmühlfranken, das der mittelständische Betrieb in der Stadthalle ausrichtete.

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Welches hohe technische und wirtschaftliche Potenzial diese Technologie bietet, das demonstrierte Dr. Christoph Heinle anhand eines kleinen Gegenstands, der aus der heutigen Welt nicht mehr wegzudenken ist: der USB-Stick. Mit Duroplastspritzguss kann dieser Datenträger nun in einem Prozessschritt hergestellt werden, wie der Maschinenbauingenieur, der seit 2011 in der Entwicklungs- und Forschungsabteilung von RF Plast mitarbeitet, den rund 60 Tagungsteilnehmern aus ganz Deutschland erläuterte. 
Die direkte Umspritzung gesamter Elektronikbaugruppen eröffnet der jungen und hochdynamischen Kunststoffbranche ein hohes technisches und wirtschaftliches Potenzial, sind sich Heinle und Amesöder sicher. Um dieses Potenzial allerdings nutzen zu können, müsse eine Brücke zwischen den Anforderungen der Kunststofftechnik und denen der Elektronik geschlagen werden. Erfahrungsaustausch und Wissens­transfer zwischen den am Produktionsentstehungsprozess beteiligten Fachbereichen ist ein wichtiger Baustein, die Tagung mit dem Titel 
„Mediendichte Elektronikeinhausung mittels Montagespritzguss“ bot dafür eine Plattform.

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Simon Amesöder ist mit der Firma RF Plast nach eigenen Worten schon seit über 20 Jahren eng „verbandelt“. Bereits als Schüler lernte er den von Reinhard Feichtinger gegründeten Betrieb, der damals noch in Westheim angesiedelt war, kennen. Als Student vertiefte er die Bande durch regelmäßige Mitarbeit und auch während seiner Doktorandenzeit am Lehrstuhl Kunststofftechnik der Uni Erlangen blieb die Zusammenarbeit fruchtbar. 
Seit 2008 sind er und seine Frau Nadine Amesöder „zu 100 Prozent“ bei RF Plast aktiv und Mitglied der Geschäftsleitung. Voller Tatendrang wollte Simon Amesöder als Wissenschaftler und Ingenieur in die Forschungs- und Entwicklungstätigkeit einsteigen, und wurde zunächst von der damals herrschenden Krise auf den Boden der Tatsachen gebracht: Statt Versuchsplanung musste er den Betrieb mit Kurzarbeit managen. 


Das Unternehmen besaß genug Substanz, um diese „schwierige Zeit“ zu überstehen, und mit etwas Verzögerung nahm die firmeneigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung ihre sehr erfolgreiche Arbeit auf. 2011 kam mit Christoph Heinle Verstärkung vom Erlanger Lehrstuhl Kunststofftechnik, der Maschinenbauingenieur hatte mit seiner Doktorarbeit direkt an die Grundlagenforschung von Simon Amesöder angeknüpft. Mittlerweile sind mehrere Ingenieure und Techniker für das Unternehmen in der Weinstraße tätig. 
Der breit aufgestellte Betrieb bietet seinen Kunden passende Konzepte an, kann ihnen von „wenigen 100 000 Teilen bis zu mehreren Millionen“ alles liefern. Effizient, das heißt für Amesöder „schnell und sicher“, soll die neue Technologie nun eingeführt werden. Mit ihrer Hilfe könne gemeinsam ein großer Kuchen gebacken werden, lud Amesöder die Tagungsteilnehmer zur Zusammenarbeit ein. Diese und „gute Kommunikation entlang der Wertschöpfungskette“ seien notwendig, damit für viele ein Stück von diesem Kuchen abfalle. 


Bürgermeister Karl-Heinz Fitz nutzte sein Grußwort nicht nur für einen „kurzen Werbeblock für Gunzenhausen“, sondern verwies auch auf die Bedeutung, die die Kunststoffindustrie für die Region besitzt. Die Anfänge sind bereits in den 1960er-Jahren mit der Firma Plastik-Meyer zu finden, ein Unternehmen, das lange Jahre einen guten Klang in der Altmühlstadt hatte. Mittlerweile gehört das Werk zur Firma Verpa. Im Landkreis bekommt die Branche durch das Technologietransferzentrum Kunststoff in Weißenburg zusätzlich Auftrieb. 
RF Plast ist ein Unternehmen, wie es sich ein Bürgermeister für seine Stadt nur wünschen kann: „Da entwickelt sich etwas, da entstehen Arbeitsplätze“, so Fitz. Darüber hinaus schaue der Betrieb nach vorne und stehe Kooperationen aufgeschlossen gegenüber. Mit allen am Produktionsprozess Beteiligten „auf Augenhöhe kommunizieren und miteinander arbeiten“, das sei letztendlich das Ziel dieser Veranstaltung. Für Fitz ist das genau der richtige Ansatz, um die Firma weiter voranzubringen. 


Dass die neue Technologie deutschlandweit in der Branche auf großes Interesse stößt, zeigten nicht zuletzt die hochkarätigen Referenten. Zu ihnen gehörte Dr. Ingo Kriebitzsch von der BMW Group, der zum Thema Anwendungen sprach, genauso wie Di­plom-Ingenieur Klaus Wilczek von der Melexis GmbH (Elektronik), Markus Walcher von der Raschig GmbH (Werkstoffe) und Thomas Grüner von der Arburg GmbH & Co. KG (Maschinentechnik). Nachdem der Vormittag eher den einzelnen Komponenten der neuen Technologie gewidmet war, stellten nachmittags Professor Dr. Michael Gehde von der TU Chemnitz und Martina Heinle von der Universität Erlangen aktuelle Forschungsgegenstände vor.MARIANNE NATALIS

Vollständiger Artikel aus dem Altmühlboten:

 
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